Banderfahrung, Partykollektiv, Booker, das eigene Label Riotvan, Produzent und DJ. Seit 14 Jahren spielt Musik eine große Rolle in seinem Leben, seit 11 Jahren lebt er davon. Klingt nach einem beeindruckenden Gesamtpaket. Wenn man dann auch noch bedenkt, dass Markus Krasselt alias Peter Invasion junge 29 Jahre alt ist, zieht man flott seinen imaginären Hut.

Und das ist noch nicht alles. Markus Krasselt aka Peter Invasion schafft es, mit seiner Musik und dem vielseitigen Sound des Labels die Lücken im Kosmos der elektronischen Musikwelt zu schließen – zumindest jene Lücken, die sich auftaten, als DJs als Alleinunterhalter und Rockstar-Ablösung in den Clubs der Welt die Tanzflächen zu füllen begannen, mit elektronischer Musik, die oftmals fernab von organischen Bandeinflüssen funktioniert.

„Ich glaube, das zeichnet auch meinen Stil beim Auflegen sehr aus, dass es eben nicht nur in eine Richtung geht und sehr organisch ist, sich alles irgendwie findet.“

Seine Sets stehen aufgrund ihrer Bandbreite ganz für sich allein, wirken nicht willkürlich, der rote Faden ist hörbar und verzweigt sich dennoch in unerwartet viele Facetten. Letztendlich ist seine Musik in ihrem Sound genauso offen wie sein Label Riotvan.
Begonnen hat alles als Partykollektiv und Booking Agentur. Man hat neue Leute kennengelernt, hat sich damit auseinandergesetzt, und als Markus zusammen mit Good Guy Mikesh, Linda und Florian das Projekt Here Is Why ins Leben gerufen hat, wurde die Idee für ein eigenes Label spruchreif.

„Alles ist so gewachsen, ich hab die Leute kennengelernt, dann gab es das Projekt Here Is Why, da hatten dann auch diverse Labels Interesse. Auch größere Labels, da hätte man dann vermutlich seine Seele verkauft und wäre jetzt auch woanders. Das hat sich irgendwie nicht richtig angefühlt. Ich hatte eh schon länger die Idee für ein Label, weil ich auch viele Freunde in Leipzig habe, die supermusikalisch sind und 'nen guten Output haben – und dann dachten wir uns eben „Okay, dann machen wir es jetzt“. Es war so 'ne Entscheidung von Heute auf Morgen, auch ohne Konzept, wie das Label weitergeht und wo es hinsoll. Zwar grobe Ideen, aber erst mal ging es nur um Here Is Why. Die erste Platte haben wir 2012 veröffentlicht, das Label gibt es jetzt also fünf Jahre. Danach hat man überlegt, was macht man, dann kamen Sachen von Good Guy Mikesh & Filburt und , und erst dann, nach ein, zwei Jahren habe ich für mich ein Konzept entwickelt. Oder was heißt Konzept, herausgefunden, was ich eigentlich will. Nicht reine Clubmusik, aber schon in die Richtung. Dann kam Panthera Krause dazu, der ja eigentlich bei Marbert Rocel ist. Robert ist der Nachbar von Mikesh, Mikesh meinte „geile Lieder“, ich meinte „Ja super schick zu, hey geil, lass 'ne Platte machen“ – und so ging das dann weiter. Die festen Artists sind Good Guy Mikesh, Filburt, Panthera Krause und Jennifer Touch, dann kommen immer mal noch Feautures von Freunden dazu wie z.B. Thomalla, Kasper Bjørke, Benjamin Fröhlich von Permanent Vacation oder Llewellyn aka Lake People. Aber sonst ist es nicht auf einen festen Künstlerstamm angelegt, es ist prinzipiell offen, auch vom Sound. In Zukunft kommen auch einige neue Leute ausserhalb des eigenen Kreises dazu “

Sein Hauptfokus liegt beim Label, aber eben auch bei der Musik, die er selber produziert und auflegt.  Auch wenn das so eigentlich nicht geplant war.

„DJ wollte ich eigentlich nie werden, beziehungsweise mit elektronischer Musik hatte ich nie was am Hut. Eigentlich komme ich komplett aus diesem Britpop/Indie-Ding “

Die Einflüsse von Indiemusik auf seinen Werdegang und aus seinem Herzen sind in seiner Musik deutlich zu hören – dreckig und ein bisschen rau, aber nicht düster. Melodiestrecken, die in ihrer Klarheit und Tonlage herausstechen wie ein einprägsames Gitarrenriff, hibbelige Drums und Synthiegeglitzer neben Pianospuren. Auf jeden Fall vielseitig und eindeutig tanzbar. Eine Mischung, die einen vom stumpfen Stampfen abholt und dazu bewegt, vorhandene oder auch mal nicht vorhandene Lyrics mit grölen zu wollen und statt zu den Beats mit dem Kopf zu wippen doch mal das ganze Haupthaar zu schütteln. Diskoider Techhouse, der mittags auf einer Wiese im Sonnenschein genauso gut funktioniert wie spät nachts im dunklen Club bei sparsamen Visuals.
Eine klare musikalische Einordnung fällt ihm selber aber auch schwer.
„Ich glaube, was ich mache, ist schon House, mit all seinen Spielarten und Facetten. Ein bisschen Disko, ein bisschen Indie-Dance, ein bisschen Pop, auch mal Techno. Grob, ganz schnell, würde ich einfach Balearic Tropical Disco Paradiso Sound sagen.“
Im Grunde ist es ein buntes Mashup auf der Grundlage elektronischer Produktion, was man sich vielleicht am besten vorstellen kann, indem man sich seinen musikalischen Werdegang anschaut:

"Als ich ein Kind war, liefen zu Hause einfach immer die richtigen Platten. (lacht) Also mein Bruder hat in den 90ern dieses ganze Oasis / Britopo-Ding komplett mitgenommen, schon das erste Album von '94, da war ich gerade sechs Jahre alt, kam direkt von Oasis. Das waren dann die großen Vorbilder, irgendwann habe ich selber ein Instrument gespielt, Gitarre, mit elf oder zwölf hab ich angefangen. Meine Mutter hat mich da auch sehr gefördert – bis heute - ist mit mir als Kind schon zu vielen Konzerten gegangen. Wie das so ist, man wollte dann natürlich auch 'ne Band gründen. Elektronische Musik kam dann... also es gab zum Beispiel Kooperationen von den Chemical Brothers mit Noel Gallagher, man schaute, „was macht eigentlich mein Vorbild“, dementsprechend hat man sich damit beschäftigt. Ich fand das alles ganz interessant und dann kam diese ganze Rave-Welle, mit Soulwax oder Justice zum Beispiel. Die haben das ja ganz gut hinbekommen, zwischen Indie-Dance und Electronica. Dann hat sich das bei mir auch mehr verfestigt, ich hab komplett die Rave-Schiene mitgemacht, auch optisch, die Partys so ausgerichtet. Dann habe ich irgendwann Filburt und Mikesh kennengelernt, die haben mich mehr für die House- und Discofacetten begeistern können. Das Grundgerüst für elektronische Musik war schon gelegt und hat sich über die Jahre weiterentwickelt. Durch das Booking für Clubs wie dem Sweat Club von 2008 – 2010 hat man mehr geguckt, was hören andere, was könnte passen, dass man eben nicht nur seinen eigenen Scheiß bringt. Und so hab ich mich automatisch mit neuer Musik beschäftigt.
Bis heute ist es sehr offen, es gibt jetzt nicht nur Techno oder dies oder das. Zu Hause höre ich allerdings immer noch überwiegend Indie Platten. Letztens war ich auf 'nem Tame Impala Konzert, das war top. Ich kam mir wieder vor wie 14, stand alleine vorn in der Mitte, hab mit gegrölt… Eben mal was anderes als 4/4 und um zehn Uhr morgens irgendwo stehen und stampfen.“

Die Offenheit gegenüber den vielseitigen Einflüssen auf seinen bisherigen Werdegang spiegelt sich auch im Gespräch mit Markus wider. Getroffen haben wir uns im Café Cantona, einigermaßen geblendet von der Sonne, Kaffee trinken vor dem Ausflug zum See. Abseits von dem Gedanken des Interviews hat sich eine entspannte Unterhaltung ergeben, getragen von der Tatsache, dass Peter Invasion trotz des noch recht jungen Alters schon viel gesehen, geschafft und erlebt hat, und dennoch auf dem Boden geblieben ist.
Neben seiner Tätigkeit als DJ und Produzent und dem Label Riotvan ist er aktuell als Booker für das Institut für Zukunft und die Audio Invasion des Gewandhauses tätig.

Wie kam es zu deinem Alter Ego „Peter Invasion“?

Oh. Das war glaube ich mit 13 oder 14, das war so 'ne Skategeschichte. Wir waren skaten und irgendjemand hat Mist gemacht, die Polizei kam und fragte, wer das war. Da hab ich in meinem jugendlichen Trotzigkeit „Peter Invasion“ gesagt. Alle haben gelacht, und irgendwann haben wir eine Indieband namens The Plectrons gegründet, alle haben sich lustige Namen gegeben – da ist mir der wieder eingefallen. Das hat sich dann so durchgesetzt. Als ich irgendwann angefangen habe, aufzulegen, hab ich den Namen eben mitgetragen und ja, bis heute behalten.

Spielst du immer noch in einer Band?

Also Here is Why  ist vor knapp zwei Jahren ein bisschen im Sand verlaufen. Dann gab es ein paar Projekte, die aber nicht in der Öffentlichkeit stattgefunden haben, sondern einfach nur für mich.

Es gibt auf jeden Fall neue Ideen und Projekte, die aber momentan noch nicht der Rede wert sind. Wir werden sehen was passiert – es bleibt spannend!

Es ist ja auch total schön, du hast eine Entwicklung hin zur elektronischen Musik gemacht und trotzdem ist diese ganze Band-Sache nach wie vor aktuell.

Auf jeden Fall. Ich glaube, das zeichnet auch meinen Stil beim Auflegen sehr aus, dass es eben nicht nur in eine Richtung geht und sehr organisch ist, sich alles irgendwie findet. Ich persönlich bin oft gelangweilt von DJs, bei denen die ganze Zeit dieselbe Bassline kommt. Letztes Jahr hab ich auf einem Festival gespielt, wo es zwölf Bühnen gab und bei acht davon dieselbe Musik lief. Es war so langweilig. Egal wo du warst, immer dieselbe Bassline. Klar, man kann sich kurz drauf festtanzen …

… man wird dann auch superschnell müde.

Ja man ist dann irgendwann so „Ja. Naja gut.“ Man muss den Absprung schaffen. Mich kickt es persönlich nicht so.

Wie empfindest du es in Leipzig? Es gibt ja im Ansatz ja schon eine Techno-Monokultur, man merkt es selber beim Weggehen auch.

Techno ist in den letzten Jahren auf jeden Fall extrem wiedergekommen. Obwohl ich es in Leipzig noch so empfinde, dass die einzelnen Crews relativ vielseitig sind. Man kann schon zufrieden sein, alles in allem. Was ich schade finde, dass es sich überwiegend in so ein rein elektronisches Ding gewandelt hat. Als ich angefangen habe, Partys zu organisieren war es so: Band neben DJ, Live-Elektro. Jetzt ist es nur noch der DJ. Der DJ ist der neue Rockstar, es geht nur noch um diese Feierkultur. Das war mal gefühlt abwechslungsreicher. Mir fehlt manchmal die Abwechslung insgesamt auf den Partys. Oder der Spaß.  Alle gehen zur Party, sagen es war geil, posten bei Instagram, aber auf den Partys selbst lächelt keiner. Und wenn du lächelst wirst du schon fast angeguckt nach dem Motto „Wow krass, was geht?“ Jeder schiebt so seinen eigenen Film, was natürlich auch was mit der Musik zu tun hat. Kann ja auch gut sein, wenn man mal so sein Ding macht, manchmal mag ich das auch, klar. Alle tanzen irgendwie zu dieser einen typischen Bassline, ist auch irgendwie lustig, aber so richtig passiert nichts.

Aber ich glaube auch, das lockert sich jetzt wieder so ein bisschen auf. Alle haben das 'ne Zeit lang mitgemacht, aber sind davon jetzt ein bisschen müde geworden. Zumindest merke ich das in meinem Bekanntenkreis, dass alle mal wieder nach 'ner schönen Disko-Party lechzen. So kommt es mir vor.

Was ist denn für dich persönlich elektronische Musik? Es nimmt ja einen sehr großen Teil in deinem Leben ein.

Mir gefällt das Hypnotische, was durch elektronische Musik ausgelöst werden kann, dass man sich, wenn man will, sechs Stunden am Stück in Trance tanzen kann und eben nicht drei Minuten lang ein Hit, dann der nächste Hit, dann gefällt einem das Lied nicht und man geht weg. Bei 'ner Indiedisko hört man laut seine Lieblingslieder, und wenn was kommt, was einem nicht gefällt, geht man meistens. Bei elektronischer Musik kann sich das flächiger, als homogene Masse formen. Da kann auch mal 'n Lied kommen wo man sagt, das hört man vielleicht privat nicht unbedingt, aber im Kontext von dem Ganzen gibt man dem eher eine Chance. Elektronische Musik ist für mich zum Beispiel offener als Indie, fast sogar musikalischer irgendwie.
Eine Band hat meistens einen Stil, was cool sein kann, aber das reicht dann auch nach 'ner Stunde. Bei elektronischer Musik kann man 'nen Stil viel weiter dehnen. Am besten ist eine Mischung aus beiden, wie vorhin schon gesagt.

Was ist für dich ein gelungener Abend, wenn du selber auflegst?

Das ist echt super unterschiedlich. Es können zehn Leute da sein, die aber die Musik so aufsaugen, es genießen, abfeiern und es ist 'ne mega Party. Du kannst vor tausend Leuten spielen und alle stampfen nur sinnlos vor sich hin. Für mich ist es gar nicht immer so sehr abhängig vom Publikum, sondern davon, wie meine eigene Stimmung ist. Ich will die Lieder dann laut hören und lasse mich überraschen. Wenn man was reinmixt, dann passiert ja irgendwie was Neues, kreiert für ein paar Minuten oder Sekunden fast ein neues Lied. Diese Überraschung, die überrascht mich dann wieder und das macht mich irgendwie glücklich. Wenn das Publikum das gleichzeitig noch mit annimmt, ist es natürlich Win-Win.  Aber ich kann da auch meine eigene Party für mich feiern. Es ist echt unterschiedlich, super stimmungsabhängig. Manchmal ist man gebucht und hat eigentlich keinen Bock, würde lieber Netflix gucken, Samstagabend abhängen, kochen. Sobald man aber im Club ist und den ersten Track laut hört, bin zumindest ich persönlich dann meistens auch wieder gut drin. Dann kann es total cool werden. Oder man freut sich extrem auf 'nen Gig und man kommt hin und alles ist gar nicht so geil. Da können ein Haufen Leute kommen und sagen, dass es geil war, aber innerlich ist es dann eben so „Naja, gab schon Besseres“.

Hattest du denn schon mal nen richtigen Worst Case Abend?

Nee. Aber so, was weiß ich, schlecht geschlafen, vielleicht noch mit der Freundin gestritten, dann ist man im Club und hatte sich eigentlich auf den Abend gefreut, merkt dann aber, dass man total belanglos gespielt hat, nicht auf den Punkt gekommen ist. Dann kommen noch zwei Freunde und fragen „Na, was war denn heute los“ und dann findet man es scheiße. Aber eigentlich … beim Feel-Festival ist mir auch dreimal die Anlage ausgefallen, aber nö. War in dem Moment egal.

Klingt, als würdest du mit derlei Ausfällen beispielweise entspannt umgehen.

Klar. Blöd ist es nur, wenn du irgendwo spielst, und du fühlst dich nicht willkommen. Wenn du irgendwo spielst und der Veranstalter sich nicht mit dir unterhält, du nur 'ne Nummer bist, die jetzt eben spielt, wenn irgendwelche Berührungsängste da sind, das nervt. Dann fährt man unzufrieden nach Hause, hat zwar Geld verdient, aber hat das Gefühl, man hätte sich das auch sparen können. Wenn man merkt, es ist grad nur'n Job, dann finde ich es kacke.

Wenn ich jemanden einlade, egal ob zu mir nach Hause oder als Veranstalter, dann ist mir Gastfreundschaft auch superwichtig. Da kann das Essen kacke sein oder die Party schlecht besucht, aber du hattest eben 'nen guten Abend mit den Leuten. Und gerade, wenn man jedes Wochenende spielt, dann siehst du schon deine Freunde nicht, bist nicht in deinem Umfeld, und dann ist's umso wichtiger, dass man 'ne gute hospitality bekommt, gutes Essen, nette Gespräche. Wenn dann auch nur zehn Leute kommen ist das schade, man kommt trotzdem gern immer wieder zurück. Und dann gibt's Gigs, wo das gar nicht hinhaut. Das ist dann so ein Worst Case für mich.

Aber bei schlechten Anlagen, billigen Drinks und komischen Leuten, nee. Vor allem, wenn man merkt, man ist da nur Dienstleister. Wenn dann Leute kommen und sagen „Spiel mal das oder jenes“ – nee. Oder wenn sie einfach nur rumdümpeln und du merkst, du bist grad eigentlich egal. Das ist vielleicht egoistisch, aber wenn du da nur für die Hintergrundbeschallung zuständig bist. Es geht nicht darum, dass einen alle angucken, „Hey hier bin ich“, aber es geht um die Wertschätzung. Gefühlte Pausenbespielung nervt. Dann ist es nur Geldverdienen, dann nervt der Job, da sind wir wieder bei dem Thema von eben. Da hat man dann auch mal so Momente, in denen man sich fragt, warum macht man das eigentlich, warum schlägt man sich da die Nacht um die Ohren.

Wie oft legst du so in Leipzig auf?

Mal mehr, mal weniger. Ich versuche aber, nicht zu oft zu spielen, maximal einmal im Monat.

Warum ist dir das wichtig, nicht zu oft in Leipzig aufzulegen?

Weil ich mich dann selber langweile, man spielt gefühlt immer vor denselben Leuten. Auch wenn es immer andere sind, du hast ständig im Hinterkopf „Ah, der war vielleicht letztens auch da und jetzt spielst du schon wieder diese Platte.“ (lacht) Denkt der dann, man spielt immer denselben Scheiß? Das ist dann so ein Kopfding. Einfach, um interessant zu bleiben, und bei den Leuten nicht ein „Geh ich heute nicht, geh ich morgen“ zu wecken. Vermutlich gibt's das schon, dass Leute sagen „nicht der schon wieder“ (lacht) aber wenn die Veranstaltung cool ist und die Leute Bock drauf haben, dass ich da spiele, ist das okay. Solange man nicht jeden Mist mitmacht. Es gibt so Stammclubs, wie die Distillery oder das IfZ, wo ich regelmäßig spiele. Es gibt Clubs, wo ich ungern bis gar nicht spiele, wo ich mich nicht wohlfühle. Und es gibt so viele junge, frische Leute, ich muss jetzt nicht jeden neuen Scheiß mitmachen. Ich hab hier meine Base, das ist gut so. Lieber auch mal jemand anderen den Vortritt lassen.

Wie nimmst du denn allgemein die Clubkultur in Leipzig wahr?

Es gibt schon ein Miteinander, man redet, man spricht sich ab. Aber ich denke, für Außenstehende ist es superschwierig, da rein zu kommen, es bewegt sich alles in so 'nem inner circle. Und auch so könnten die Leute, auch nach außen hin, noch etwas mehr miteinander arbeiten. Hier ist's manchmal so „Ah, das will ich lieber machen, das soll der nicht wegschnappen“… aber trotzdem ist es recht angenehm und alle reden mehr oder weniger miteinander. Es gibt gemeinsame Listen wo man sich austauscht was woanders stattfindet oder man spricht sich ab. Das finde ich super und das war so noch nicht immer..

Es kommt auch darauf an,  mit wem machst du was. Machst du was im in einem bestimmten Club, dann hast du woanders recht schlecht Chancen. Es wird schon arg geguckt, wer macht was wo, mit welchen Leuten trifft man sich. Es wird manchmal gar nicht unbedingt auf die Inhalte geschaut, es geht viel um Außenwahrnehmung, Prestige, das finde ich manchmal schwierig. Oder das die Diverse Clubs automatisch verrufen sind, weil da eben auch mal Prollos hingehen – was ich persönlich superinteressant finde, wenn Skinny Jeans neben 'nem Camp David Tribal Tattoo steht oder so. Was ja eigentlich der Ursprung von dem ganzen ist. Geh in Köln feiern, da stehst du neben 40jährigen Hardcore-Druffis und Hipsterkids. Das ist völlig normal, keiner regt sich über den anderen auf. Und gerade hier im Osten ist es manchmal echt elitär. Das finde ich schwierig, eigentlich geht es in dem Moment ja darum, gemeinsam 'ne gute Party zu haben, und um die Musik. Und wenn er die Musik gut findet, ist mir eigentlich egal, ob er 'n hässliches Tattoo hat oder nicht. Das ist dann immer gleich „Dummes Umland“ oder „Assis“. Es heißt ja nicht, nur weil jemand so aussieht, dass er gleich ein Idiot ist. Gefühlt ist es natürlich manchmal schwierig, zu unterscheiden - wenn jemand mit 'ner Skinny Jeans ankommt, dass der natürlich erst mal vermutlich 'ne ähnliche Ideologie vertritt.

Klar, das ist ja immer auch das Ding mit den Schubladen. Man kleidet sich auf eine bestimmte Art und Weise, weil man sich mit einer bestimmten Personengruppe identifiziert, aber Schubladen sind im Endeffekt ja nur Daumenregel, um Andere schneller einschätzen zu können. Sich davon lösen zu können ist da super wichtig.

Und gerade im Clubkontext ist das superwichtig. Das es dort eben eigentlich egal sein sollte. Music is the only language I really know...

Hast du noch 'ne Message zum Schluss?

Authentizität. Punkt.

© Paula Charlotte

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